Die Sache mit der Nachhaltigkeit

Stronger Together

Nachhaltigkeit in der Modewelt ist ein großer Begriff. Was steckt eigentlich genau dahinter? Der Kampf gegen die Klimaerwärmung? Bezieht er auch den sozialen Aspekt mit ein, also fair produzierte Klamotten? Kleidung zu recyclen, statt sie wegzuwerfen? Und was können wir als Verbraucher eigentlich tun, um Nachhaltigkeit zu unterstützen?

Zu allererst: Ich will mich gar nicht in die Moralapostel-Rolle begeben, denn das steht mir auch gar nicht zu. Außerdem gebe ich auch nicht vor, mich von A bis Z in diesem Themengebiet auszukennen. Dafür ist er viel zu komplex und ich habe auch nicht den Anspruch das zu tun. Ich möchte aber auf meinem Blog Themen behandeln, die mich beschäftigen und damit vielleicht auch neue Denkanstöße bei Anderen auslösen. Deswegen soll es in diesem und auch vermehrt in meinen nächsten Blogposts um Nachhaltigkeit gehen.

Der Wendepunkt

Schon seit mehreren Jahren bin ich bei dem Textil-Druckservice Cantana tätig, der faire und nachhaltige Textilien bedruckt bzw. veredelt. Durch die Arbeit bei Cantana, sowie durch die Möglichkeit als Modebloggerin viel Erfahrung in Bezug auf die Qualität und Verarbeitung von von Kleidung zu sammeln, wurde mein Interesse für den Bereich Nachhaltigkeit in der Modebranche geweckt. Mir wurden immer stärker die Ausmaße des extremen Konsums bewusst und ich habe erkannt, wie wenig Wertigkeit wir unserer Kleidung noch zusprechen. Quantität steht im Fokus, während auf Qualität selten noch geachtet wird. Mit der Gründung meines Schlaf- und Loungewear Labels Lazy Muse wollte ich ein Stück Verantwortung übernehmen, daher sind Nachhaltigkeit und eine faire Produktion bei Lazy Muse grundlegend. Wenn ihr nicht wisst, was es eigentlich mit Lazy Muse auf sich hat, dann schaut hier vorbei. In den Unterpunkten auf der Webseite findet ihr alles über unsere Entstehungsstory, über unsere Philosophie und über unsere Materialien genau erklärt.

Was ist Nachhaltigkeit?

Natürlich kann man den vielschichtigen Begriff Nachhaltigkeit nicht mit einem Satz erklären. Aber es gibt ein paar Eckpunkte, die das Ganze greifbarer machen. So ist es beispielsweise wichtig zu wissen, dass Nachhaltigkeit nicht nur bei den einzelnen Labeln beginnt, sondern ganzheitlich betrachtet werden muss. Das heißt: Die gesamte Produktions- und Handelskette muss berücksichtigt werden. Nur weil beispielsweise ein Kleidungsstück aus Bio-Baumwolle hergestellt ist, heißt es nicht, dass es auch unter fairen Arbeitsbedingungen produziert wurde. Nur die Kombination von geprüften Materialien (also z.B. Bio-Baumwolle) zusammen mit fairen Produktionsbedingungen und einer umweltschonenden Produktion erfüllt alle Nachhaltigkeits-Kriterien für die gesamte Lieferkette vom Baumwollfeld bis zum Endprodukt. Das ist wichtig zu wissen, weil einige große Unternehmen häufig durch unvollständige oder irreführende Angaben “Greenwashing” betreiben, also die eigene Umweltbilanz in ein besseres Licht rücken wollen. Das ist derzeit noch möglich, weil es kaum Handelsstandards gibt, die definieren, was “nachhaltige” oder “grüne” Mode eigentlich bedeutet. 

Was kann ich als Verbraucher tun? 

Es gibt bisher zwar keine Weltweiten oder Europaweiten einheitlichen Handelsstandards – aber was es gibt, sind Zertifizierungen bzw. Gütesiegel, auf die man achten kann. Ein paar Wichtige sind die folgenden:

GOTS: Ökologisch & Sozial – Nur Textilien, die innerhalb des gesamten Herstellungsprozesses strenge ökologische und soziale Richtlinien berücksichtigen, bekommen den GOTS-Siegel.

Fairwear Foundation: Sozial – Sie sorgen für eine Verbesserung der sozialen Bedingungen und einen menschenwürdigen Herstellungsprozess.

EU Ecolabel: Ökologisch – Es werden Produkte ausgezeichnet, die im Vergleich zu konventionellen Produktion geringere Umweltauswirkungen haben.

Zum Thema Bio-Baumwolle: Wie bereits erwähnt, garantiert die Nutzung von Bio-Baumwolle keine fairen oder sozial-verantwortungsvollen Arbeitsbedingungen. Doch gerade für Bauern außerhalb des Fairen Handels ist Bio-Baumwolle eine gute Alternative. Denn: Im Vergleich zur konventionellen Landwirtschaft sind die Arbeitsbedingungen beim Anbau von Bio-Baumwolle besser und nachhaltiger, weil die Bauern nicht mit gesundheitsschädlichen Chemikalien oder Spritzmitteln in Kontakt kommen und sie sich durch ca. 20% höhere Gewinnmargen einen höheren Lebensstandard leisten können.

Reduce, Reuse, Recycle

Es gibt einiges, was man als Endverbraucher tun kann, um nachhaltiger zu agieren, ohne dass man gleich sein ganzes Leben umstellen muss. Ein Anfang ist zum Beispiel schon, wenn ihr darauf achtet, nicht mehr in die “Fast-Fashion-Falle” zu tappen. Fast Fashion bedeutet, dass jeder Modetrend mitgemacht wird und Kleidungsstücke nur kurze Zeit getragen werden. Es gibt nicht mehr nur 2-4 Kollektionen im Jahr, sondern laufend Neue. Ein T-Shirt kostet fast nichts, man kann jeden Tag ein neues kaufen. Der Preis des Kleidungsstücks hat letztendlich nichts mehr mit dem eigentlichen Warenwert zu tun. Nur der Verbraucher kann diesen Prozess stoppen, indem er sein Kaufverhalten reduziert (Reduce) und statt auf Quantität auf Qualität setzt. Ich weiß, das ist schwer. Gerade in Zeiten von Instagram & Co, wo jeder Trend sofort aufgegriffen wird. Aber ganz ehrlich: die angeblich so angesagten Teile von vor 2 Jahren liegen heute wahrscheinlich hinten im Schrank rum, oder? War es der Kauf also wirklich Wert, für die zwei- dreimal, die ihr das Trendteil getragen habt? Diese Frage stelle ich mir mittlerweile bei vor jedem neuen Kauf: Wirst du das Kleidungsstück wirklich auch noch in 1-2 Jahren tragen? Mit diesen Gedanken im Kopf bin ich kürzlich durch meinen Kleiderschrank gegangen und habe aussortiert.

Damit kommen wir auch schon zum nächsten Punkt: Reuse. Meine aussortierten Kleidungsstücke habe ich genau unter die Lupe genommen und sie z.B. umgeändert (aus Jeans, die mir nicht mehr gefallen haben, habe ich Ripped-Shorts gemacht) oder sie repariert. Eine weitere Möglichkeit ist es, die aussortierten Klamotten auf dem Flohmarkt oder im Freundeskreis an Andere zu geben, die sich darüber freuen, und auch selbst Kleidung von Anderen zu tragen. Ich habe beispielsweise extrem viele wunderschöne Teile von meiner Mutter und meiner Tante, die ich super gern trage. Hier erkenne ich auch immer wieder den Qualitätsunterschied! Die Stücke sind teilweise über 30 Jahre alt und sehen trotzdem noch wie neu aus! Ob das mit den Fast-Fashion-Teilen von heute möglich ist? Eher nicht.

Sind die Kleidungsstücke wirklich nicht mehr tragbar, hilft nur noch sie zu recyclen und sie damit dem Stoffkreislauf wieder zuzuführen. Toll sind übrigens auch Marken, die sich genau diesem Punkt angenommen haben und Kleidung oder Schuhe aus recycelten Materialien herstellen. Auf der Nachhaltigkeits-Messe Neonyt in Berlin habe ich z.B. die Marke Ecoalf entdeckt, die unter anderem Sneaker aus Plastikmüll aus dem Meer herstellt. 

Utopie?

Zu guter Letzt sollten wir die Unternehmen und Marken unterstützen, die sich dafür einsetzen ihre negativen Auswirkungen auf die Umwelt zu minimieren und Lösungen für damit verbundene Probleme finden bzw. umsetzen. Vielleicht können wir so die Modebranche ein Stück weit nachhaltiger machen und die Fast-Fashion-Spirale durchbrechen. In einer perfekten Welt pflegen wir unsere nachhaltig produziere Kleidung gut und tragen sie lange, bevor wir sie in den Second Hand Cycle geben. Wir sind keine Werbefläche mehr für konventionelle Marken, sondern tragen Logoshirts von nachhaltigen Brands mit Stolz und gutem Gewissen. Utopisch? Versuchen sollten wir es auf jeden Fall 🙂 

 

Hier noch einmal in Kurzfassung, was jeder Einzelne von uns tun kann:

  • Auf Zertifizierungen und Siegel achten
  • Reduce: Qualität statt Quantität (sich den guten alten Investitionskauf ins Gedächtnis rufen)
  • Reuse: Pflegen, Reparieren, Second Hand
  • Recycle: Wenn gar nichts mehr geht, Kleidungsstücke recyclen
  • Marken unterstützen, die nachhaltig oder zumindest verantwortungsbewusst agieren

 

Empfehlenswert zur weiteren Information ist übrigens die ZDF-Doku “Gift auf meiner Haut”. Sie war für mich der zusätzliche ausschlaggebende Faktor mich vermehrt mit diesem Thema auseinander zu setzen. Also schaut sie euch auf jeden Fall mal an!

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