Ich bin kein Modemädchen

Ich bin kein Modemädchen

Vor Kurzem habe ich mich mit einer meiner besten Freundinnen aus Schultagen getroffen. Wir haben unsere Teenager-Zeit zusammen erlebt, sind zusammen verreist, haben die wichtigsten Ereignisse zusammen verbracht und schwierige Zeiten zusammen durchgestanden. Wir kennen uns nun schon seit über 15 Jahren und leben sogar in der gleichen Stadt. Dass irgendwann einmal mein Blog einen Riss in unsere Freundschaft bringen würde hätte ich niemals gedacht. 

Mein Traumberuf musste der harten Realität weichen

Schon seit Kindertagen schreibe ich gerne, Deutsch war immer mein Lieblingsfach in der Schule. Kein Wunder, dass ich schnell meinen Berufswunsch gefunden hatte: Journalistin werden. Nach diversen Praktika im Print-, Radio- und TV-Bereich änderte sich mein Traum aber mit der Zeit und musste dem Eingeständnis der harten Realität weichen. Denn je älter ich wurde, desto mehr wurde mir klar, was für eine harte und nervenaufreibende Branche ich mir da ausgesucht hatte. Mir wurde bewusst, dass ein Leben als freie Journalistin nicht nur schlecht bezahlt, sondern auch von starren Hierarchien und viel Konkurrenzkampf geprägt ist. Das wollte ich mir nicht antun, denn ich bin nicht der Typ, der sich in dieser Ellenbogen-Gesellschaft durchboxt und über Leichen geht. Als ich mir das eingestanden hatte, bekam ich eine kleine Sinnkrise und nach meinem Bachelorabschluss hatte ich erst einmal ein paar Monate Zeit, bis es mit dem Masterstudium weitergehen sollte. Durch meine in dieser Zeit diagnostizierten Zöliakie (Gluten-Allergie) musste ich mich gezwungenermaßen verstärkt mit dem Thema Ernährung befassen, was aber auch mein Interesse zum Kochen wieder weckte. Ich begann einen glutenfreien Foodblog zu starten und erstellte auch einen Instagram-Account, um auf meinen Blog aufmerksam zu machen.

Instagram änderte meinen Blog

Schnell begann mir die App Spaß zu machen und ich merkte, dass mein Profil erste Erfolge hatte und ich immer mehr positiven Rückklang fand. Ich interessierte mich schon immer für Mode, aber fand dort zum ersten Mal wirkliche Inspirationen. So entwickelte sich mein Foodblog zu einem Blog, der auch Mode, Reisen und persönliche Gedanken zum Thema macht. Natürlich ist mein Blog dadurch viel mehr Mainstream als vorher, als ich noch ausschließlich über glutenfreie und aussergewöhnliche Foodtrends geschrieben habe. Warum ich es aber trotzdem gemacht habe? Das könnt ihr hier noch einmal nachlesen.

Habe ich mich in der oberflächlichen Wallemähne – Champagner – Instagram – Welt verloren?

Durch den Wechsel der Art meines Blogs änderte sich aber auch etwas, das ich so eigentlich nie wollte: meine Themen handelten statt von leckeren Gerichten immer mehr von mir selbst, was logischerweise auch mit viel Selbstdarstellung und Konsumvorführung einhergeht. Dabei steckt in mir drin immer noch ein kamerascheues, schüchternes Mädchen und ein Mensch, der mit ganz wenig ganz glücklich ist. Dieser Wandel zur Fashion- und Lifestyle-Bloggerszene wurde zum Problem für unsere Freundschaft. Ich merkte, wie sehr wir uns immer mehr voneinander entfernten. Als wir nun bei unserem Treffen über diese Distanziertheit sprachen, war ich auf der einen Seite traurig, dass sie als meine längste Freundin etwas zum Thema macht, das nichts mit unserer Freundschaft, nichts mit meiner Persönlichkeit und nichts mit unserer Verbindung zueinander zu tun hat – schließlich bin ich immer noch ich selbst und ich habe auch schlechte Zeiten und schlechte Tage, Zweifel und Geldsorgen, auch wenn ich diese meistens nicht auf meinem Blog oder auf Instagram öffentlich mache. Auf der anderen Seite fragte ich mich – hat sie Recht? Habe ich mich in dieser oberflächlichen Wallemähne-Champagner-Instagram-Welt verloren? Was macht Instagram und die Selbstdarstellung aus mir, was macht das aus unserer Generation? Möchte ich mich in dieser Szene überhaupt bewegen?

Die Selbstdarstellung unserer Zeit und das Problem mit der Authentizität

Fakt ist: Jeder von uns präsentiert sich ständig, unbewusst oder bewusst, im Alltag und in den sozialen Medien. Wir umgeben uns mit bestimmten Dingen und Menschen, gehen an bestimmte Orte und tragen bestimmte Kleidung. Ob wir es zugeben oder nicht – wir wollen dabei Anderen gefallen. Das ist kein neues Phänomen unserer Zeit, sondern einfach menschlich. Aber nirgendwo präsentieren wir uns so bewusst wie auf Social Media. Was bei Instagram am Anfang noch ein paar nette Bilder von schönen Erlebnissen waren, ist zur reinen Selbstinszenierung geworden. Das Streben nach mehr Followern, nach mehr Anerkennung und die ständige Angst abgehängt zu werden drängen uns fast dazu. Wenn dabei von mehr Authentizität gesprochen wird, frage ich mich: wie authentisch kann man sich überhaupt darstellen? Ausser wenn die andere Person uns tagtäglich erlebt – ist es überhaupt möglich die Realität der eigenen Person zu zeigen? Sei es bei einer kurzen Begegnung offline, oder mit einem Instagram Bild – wir bilden doch immer nur einen bestimmten Ausschnitt unserer Person und unseres Lebens ab.

Mein persönlicher Widerspruch

Nach dem Treffen machte ich mir lange Gedanken zu diesem Thema und fing an mich zu ärgern. Denn einen Blog zu führen erfordert meiner Meinung nach Mut. Man teilt persönliche Gedanken und natürlich auch Bilder öffentlich und für jeden einsehbar im Internet und bietet damit viel Angriffsfläche für Andere. Das ist einer der Gründe, weshalb ich Leuten, die ich neu kennenlerne, ungern von meinem Blog erzähle. Ich schäme mich, dass ich ein Konsumopfer bin und andere Menschen auch noch zu weiteren Konsum animiere. Ich möchte nicht als oberflächlich abgestempelt werden und erst recht nicht als die typische Blogger-Mode-Tussi. Menschen neigen dazu, Andere sofort in Schubladen zu stecken – doch in dieser Schublade fühle ich mich nicht wohl. Ich kann selbst nur bedingt etwas mit der Modewelt anfangen und finde zu viel Selbstinszenierung und Egozentrik ganz schrecklich. Und trotzdem möchte ich in dieser Mode- und Bloggerwelt arbeiten.
Paradox? Vielleicht. Aber ich habe Spaß an Mode, ich liebe das Bloggen und vor allem liebe ich es, etwas wachsen zu sehen, das ich selbst von Anfang an aufgebaut habe, in das ich meine eigene Persönlichkeit, meine eigenen Ideen stecken kann und bei dem ich mein eigener Chef sein kann. Das ist der Grund, weshalb ich monatelang ohne etwas zurück zu bekommen täglich mehrere Stunden in den Blog investiert habe und meine Freizeit nicht mehr aus Entspannen auf dem Sofa, sondern aus Arbeiten am Laptop bestand. Die meisten Menschen, die nichts mit dem Bloggen zu tun haben, wissen nicht, wie viel Arbeit so ein Blog macht. Das ist verständlich, denn auch ich hatte am Anfang ein ganz anderes Bild vom Bloggen. Im Café sitzen und ein Foto zu machen sind aber eben nur ausgewählte Momente, die weder die ganze Arbeit im Hintergrund zeigen, noch die Persönlichkeit des Bloggers.

Denn ich bin kein Modemädchen, ich möchte einfach nur einen Blog führen und idealerweise mit meiner Leidenschaft Andere inspirieren. Im Optimalfall wächst es soweit, dass ich aus meinem Hobby einen Beruf machen kann. Ich gehe aber mit meinem Blog und mit meinem Instagram nicht hausieren und möchte daher auch nicht, dass ich dadurch in eine Schublade gesteckt werde, die nicht zu mir passt. Ich bin schließlich genau das selbe Mädchen, wie vor über 15 Jahren.

Mich würde eure Meinung dazu sehr interessieren! Wie seht ihr das?

Personal

 

48 Comments

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  • Ich verstehe dich sehr gut. Ich mag die Art und Weise wie offen du dadrüber sprichst.
    Bis heute habe ich Probleme, dass meine Freunde mich verstehen und das was ich tue. Aber schlußendlich habe ich festgestellt, dass ich das nicht für andere mache, sondern nur für mich selbst. Und dann ging es einigermaßen. Trotzdem finde ich es schade, wenn mir nahestehende Freunde keine Unterstützung zukommen lassen. Oder ähnliches 😀

    Manchmal sind Blogbeiträge einfach oberflächlich und voller Selbstdarstellung. Aber ich denke das ist in Ordnung, so lang man sich selber damit wohlfühlt. Irgendwo sind mir ja unsere eigene kleine Marke. Klingt komisch, ist aber irgendwie so. Ich finde es nur wichtig, dass man sich auf diesem Weg nicht selber verliert 🙂

    Liebe Grüße Anni von http://hydrogenperoxid.net

    • Da kann ich dir nur zustimmen! Ja, die meisten verstehen halt auch nicht, dass es “zum Business” dazugehört und dass man sich natürlich vermarkten muss, wenn man bloggt. Sonst können ja logischerweise auch keine Leser auf einen aufmerksam werden. Aber so ist das schließlich in vielen Lebensbereichen und auch in anderen Berufen – man hat ja immer eine Aussenwirkung. In diesem Bereich ist es nur eben viel öffentlicher und präsenter. Aber wie du sagst – solange man sich selbst nicht dabei verliert, ist alles in bester Ordnung!

      Liebe Grüße,
      Lara

  • Ein wahnsinnig toller Beitrag und du hast mit jedem Wort recht. Für mich war Instagram auch vorrangig ein Foodblog als ich dann aber im Jänner mit meinem richtigen Blog (www.daaaniieee.at) gestartet bin und der so gut ankahm, hat sich auch mein Instagramfeed geändert und merkt man einfach wie sehr man sich von andere beeinflussen lässt. Mein kunterbunter Foodfeed wurde zu einem einheitlichen, vorrangig weiß und rosa Feed an dem nicht einfach ein Foodfoto geladen wurde sondern überlegt was den zum Feed passt.

    Mittlerweile habe ich dass wieder ein bisschen retour geschraubt, und poste wieder was mir grad so einfällt.

    Ein Beitrag zum Nachdenken, danke!

    LG Danie

    • Hey Danie,
      dankeschön! Dann ist es dir wohl auch so wie mir gegangen 🙂 Durch Inspirationen von Anderen und Kooperationen werden die Themen einfach viel vielfältiger als man es einmal geplant hatte.. aber das muss ja prinzipiell nichts Schlechtes sein – im Optimalfall ist es ja sogar eher eine Erweiterung und positive Entwicklung! Hauptsache man bleibt sich selbst treu und mag was man tut. Dann sollte dem auch nichts entgegen stehen 🙂

      Liebe Grüße,
      Lara

  • Hi. Auch wir können Deine Gedanken vollkommen nachvollziehen. Manchmal denken wir uns auch “Für wen und warum machen wir uns eigentlich die ganze Arbeit?”. Denn wie Du selber schreibst, viele Leute wissen gar nicht, wie viel Arbeit hinter einem guten Blog und den ganzen Berichten stecken.

    Letztendlich haben wir uns gesagt, dass wir uns immer über neue Besucher und Kommentare in unserem Blog oder über neue Instagram und Facebook Likes freuen… wir den Blog aber hauptsächlich als Erinnerung für uns selber machen 🙂

    Viele Grüße
    Michael & Sandra
    https://one-million-places.com

    • Hey ihr Beiden,
      vielen lieben Dank für euren Kommentar! Das kann ich total gut verstehen und eure Einstellung dazu ist super! Es ist ja auch tatsächlich hauptsächlich etwas was man selbst erschafft und auf das man immer wieder zurückblicken kann und durch das man sich an all die schönen Erlebnisse erinnert. Gerade bei euren vielen Reisen ist das natürlich der Wahnsinn! Ich finde es aber auch als Aussenstehende toll die Fotos von euren Reisezielen zu sehen und die Berichte dazu zu lesen! Da will man selbst direkt losreisen! 🙂

      Liebe Grüße,
      Lara

  • Ich verstehe dich sehr gut!

    Es ist nun mal einfach ein hin- und her und man muss aufpassen, sich nicht völlig vereinnahmen zu lassen von dieser glitzernden, oberflächlichen Welt.
    Aber, wie du selbst geschrieben hast- wenn es dir Spaß und Freude macht ist das der allerschönste “Grund”, den man fürs Bloggen haben kann. Also lass es dir auch einfach nicht vermiesen 🙂

    Liebe Grüße,
    Laurel

    • Hey Laurel,
      japp, genau so ist es! Manchmal muss man sich einfach noch einmal bewusst machen, dass man nicht dauernd “präsent” sein muss und sich nicht zu sehr davon abhängig machen braucht. Aber solange das Bloggen Spaß macht, ist alles paletti 🙂 Ich finde es übrigens richtig toll, dass du über Fair Fashion und Nachhaltigkeit bloggst! Ein Thema, das mich auch immer stärker interessiert und das einfach super wichtig ist!

      Liebste Grüße,
      Lara

  • Wow, ein wirklicher schöner Beitrag! Ich teile deine Meinung vollkommen. Ich selbst möchte mich auch nicht in dieser inszenierten Welt verlieren. Auch wenn Instagram Spaß macht, so hat nichts mehr Bedeutung als die schönen Geschehnisse in unserem Leben. Man sollte ein Leben leben, dass sich gut anfühlt und nicht nur hübsch aussieht. Das Bloggen macht mir ebenfalls großen Spaß, auch wenn es viel Arbeit ist. Aber das Schreiben ist für mich einfach etwas ganz Besonderes und das soll neben meiner Liebe für das “Goodlife” auch weiterhin im Mittelpunkt stehen.
    Danke für deinen tollen Beitrag. Es hat echt Freude gemacht, diesen zu lesen. <3

    LG Gianna
    von oohcharlottecouture.com

    • Hey Gianna Maria,
      1000 Dank für deinen lieben Kommentar! Du sprichst mir aus der Seele 🙂 Ich lege oft das Handy einfach bewusst weg um den Moment ganz ohne Instagram Stories oder sonstige Ablenkung zu genießen 🙂 Ich denke ein gutes Mittelmaß ist immer der richtige Weg, auch wenn das Bloggen natürlich davon lebt, andere im Alltag mitzunehmen und seine Gedanken zu teilen. Aber Instagram/Bloggen ist eben auch nicht alles im Leben 🙂

      Liebste Grüße,
      Lara

  • Wow! Ich habe selten einen so guten Artikel gelesen, in dem ich mich auch selbst wunderbar wiederfinde. Ich stand noch nie gern im Mittelpunkt. Aber ich war schon immer kreativ und interessierte mich für Ästhetik und Mode. Mir fällt es schwer mich zu fotografieren oder fotografieren zu lassen. Ich komme mir dabei blöd vor und fühle mich furchtbar unwohl, wenn ich dabei auch noch beobachtet werde. Trotzdem liebe ich es zu bloggen und wie du schreibst, mein eigenes Projekt wachsen zu sehen. Ich shoppe gerne, liebe schöne Verpackungen und kann nicht leugnen, dass ich mich mit einem dekadenten Lifestyle wohlfühle. Trotzdem gehe ich damit ungern hausieren. Wie du möchte ich deshalb und auch nicht als Blogger in eine Schublade gesteckt werden. Es ist nur ein ganz kleiner Teil meiner Persönlichkeit und sagt nichts über mich als Person aus. Außer, dass ich kreativ, modebegeistert und möglicherweise ein bisschen shoppingsüchtig bin 😉

    Ein ganz schwieriges Thema…. Mir ist mit Sicherheit nicht egal was andere von mir denken. Trotzdem mache ich das alles ausschließlich für einen Menschen: für mich selbst! Nicht für die anderen. Ich kleide mich für mich selbst und ich kaufe mir teure Handtaschen, weil ich sie schön finde und nicht um andere zu beeindrucken. Die meisten Menschen würden eine Designerhandtasche sowieso nicht erkennen.
    Ich glaube, es ist einfach das wichtigste sich selbst treu zu bleiben. Und es ist nicht schlimm, oberflächliche Dinge schön zu finden. Solange man auch noch andere Facetten hat 😉

    Liebe Grüße
    Verena

    http://www.my-philocaly.com

    • Ohhh vielen lieben Dank, ich freue mich total über deinen Kommentar! 🙂 Und ich glaube da sind wir uns wohl wirklich sehr ähnlich 😀 Genau so sehe ich das auch, man hat schließlich 1000 andere Facetten über die man sich definiert und nicht “nur” über den Blog. Und trotzdem ist es ein Teil von dem was man ist, was man mag und was einem Spaß macht 🙂
      Deine Bilder sind übrigens der Hammer, also mach immer weiter so!

      Liebe Grüße,
      Lara

  • Wirklich klasse, wie offen du mit dem Thema umgehst. Ich blogge noch nicht lange und wohne in einer kleinen Stadt, wo jeder über einen redet. Ich mache mir immer Sorgen, dass man schlecht über mich spricht oder dass man meinen Blog für lächerlich hält. Auch wenn ich mir über sowas Sorgen mache, möchte ich es nicht mehr missen, es macht mir unglaublich viel Spaß.
    Danke für deine Meinung

    • Hey Luisa!
      Danke für deine lieben Worte! 🙂 Ja, das kann ich total gut verstehen – ging mir nicht anders 😉 Aber letztendlich zählt ja was du möchtest und nicht was Andere denken. Wenn es dir Spaß macht und du sogar Erfolg damit hast, dann wäre es schade drum es nicht gewagt zu haben 🙂 Also mach weiter das was dir gefällt! Im Übrigen ist dein Blog überhaupt nicht lächerlich, sondern richtig schön!! Deine Travel Tipps sind super!

      Liebe Grüße,
      Lara

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